Schlaganfall erkennen bei Senioren: Abwarten ist der Fehler, der Zeit kostet
Einen Schlaganfall erkennen Angehörige und ältere Menschen am schnellsten mit dem FAST-Test: lächeln lassen, beide Arme heben lassen, einen Satz nachsprechen lassen. Hängt ein Mundwinkel, sinkt ein Arm oder klingt die Sprache verwaschen, gilt sofort die 112, auch dann, wenn die Zeichen nach ein paar Minuten wieder verschwinden. Am 29. Oktober ist Welt-Schlaganfalltag, und dieser Beitrag nimmt sich den Moment vor, in dem am häufigsten Zeit verloren geht: das Abwarten. Ich gebe hier weiter, was die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe empfiehlt, eingeordnet aus meiner Zeit als Krankenpfleger; die Quellen sind am Ende verlinkt.

„Das geht schon wieder weg“: warum dieser Satz Zeit kostet
Eine Lage, die viele Angehörige kennen: Die Mutter spricht seit einer Viertelstunde etwas verwaschen, sonst wirkt alles normal. Sie winkt ab, sie sei nur müde. Man einigt sich darauf, bis zum Abend zu schauen. Genau diese Viertelstunde, aus der schnell zwei Stunden werden, ist beim Schlaganfall das Problem.
Die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe ist hier sehr deutlich: Auch wenn die Beschwerden nach einigen Minuten vollständig abklingen, bleibt es ein Notfall. Dahinter kann eine transitorische ischämische Attacke stecken, kurz TIA, eine vorübergehende Durchblutungsstörung im Gehirn. Nach einer TIA ist die Gefahr eines weiteren Schlaganfalls mit bleibenden Folgen hoch. Auch ein zunächst leichter Schlaganfall kann sich laut Stiftung ausweiten.
Wie groß die Lücke ist, zeigt eine Zahl aus einer Pressemitteilung zum Welt-Schlaganfalltag der Stiftung aus dem Jahr 2023: Nur etwa zehn Prozent der Betroffenen kamen damals innerhalb der ersten Stunde nach Beginn der Beschwerden in die Klinik. Ich empfehle deshalb, die Entscheidung nicht vom eigenen Bauchgefühl abhängig zu machen, sondern von einer einfachen Prüfung.
Der FAST-Test: vier Prüffelder, eine Minute
Der FAST-Test der Schlaganfall-Hilfe stammt aus dem englischen Sprachraum und ist für Laien gedacht. Er prüft in kurzer Zeit, ob ein Verdacht besteht. Das Wort setzt sich aus Face, Arms, Speech und Time zusammen, also Gesicht, Arme, Sprache und Zeit.
Wichtig beim Arm-Test: Beide Arme gleichzeitig nach vorn strecken und die Handflächen nach oben drehen. Bei einer Lähmung sinkt ein Arm ab oder dreht sich weg. Wer unsicher ist, ob der Mundwinkel schon immer so hing, fragt, ob das neu ist. Ein negatives Ergebnis heißt allerdings nicht automatisch Entwarnung, dazu mehr im nächsten Abschnitt.
Uhrzeit notieren. Wann waren die Beschwerden zum ersten Mal da? Ein Blick auf die Uhr und ein Zettel reichen, die Angabe hilft dem Notarzt.
Zeichen, die der FAST-Test nicht abfragt
Die Schlaganfall-Hilfe nennt in ihrer Übersicht der Symptome weitere plötzlich einsetzende Beschwerden: Sehstörungen wie Doppelbilder oder ein Gesichtsfeld, in dem eine Seite fehlt, Schwindel mit Gangunsicherheit, Taubheit oder ein pelziges Gefühl auf einer Körperseite und einen äußerst heftigen Kopfschmerz, den man so noch nie hatte.
Bei älteren Menschen schiebt man solche Zeichen leicht auf den Kreislauf oder die neue Brille. Das Wort, auf das es ankommt, ist aber „plötzlich“. Was eben noch nicht da war und jetzt da ist, gehört nach Einschätzung der Stiftung im Zweifel in die Hände des Rettungsdienstes. Kein Selbsttest ersetzt die ärztliche Untersuchung.
Die 112: was man sagt, und was man bis zum Rettungsdienst lässt
Beim Anruf hilft ein klarer erster Satz: „Verdacht auf Schlaganfall.“ Danach fragt die Leitstelle nach dem, was sie braucht. Laut den Hinweisen zum Verhalten im Notfall der Schlaganfall-Hilfe sind das der Ort, die Beschwerden, der Beginn und eine Rückrufnummer.
Bis der Rettungsdienst da ist, empfiehlt die Stiftung ein paar einfache Dinge:
- Nicht allein lassen. Ruhig bleiben, sagen, dass Hilfe unterwegs ist, beengende Kleidung lockern.
- Nichts zu essen, nichts zu trinken. Auch keine Tablette. Es kann eine Schluckstörung vorliegen.
- Bei Bewusstlosigkeit stabile Seitenlage. Atmung beobachten; bei Atemstillstand mit der Wiederbelebung beginnen, die Leitstelle leitet an.
- Medikamentenplan bereitlegen. Er zeigt dem Notarzt zum Beispiel, ob blutverdünnende Mittel eingenommen werden.
Gesundheitshinweis. Dieser Beitrag ersetzt keine ärztliche Beratung und keine Erste-Hilfe-Ausbildung. Er stellt keine Diagnose. Bei Verdacht auf einen Schlaganfall gilt immer die 112, im Ausland in der EU ebenfalls.
Vorher regeln, damit im Ernstfall nichts gesucht wird
Die Minuten nach dem Notruf sind leichter, wenn Informationen schon bereitliegen. Eine Notfalldose im Kühlschrank enthält Vorerkrankungen, Medikamente und Kontakte; ein Aufkleber an der Wohnungstür zeigt dem Rettungsdienst, wo er suchen muss. Welche Kosten die Pflegekasse bei einem Hausnotruf übernehmen kann, steht im Beitrag Hausnotruf und Pflegekasse. Wie sich die Zeichen eines Herznotfalls unterscheiden, beschreibt der Beitrag Herznotfall erkennen.
Zwei Helfer für davor und danach, keiner für den Notfall selbst
Beide ersetzen im Ernstfall nicht die 112. Weitere Modelle stehen auf den Seiten Notfalldosen und Blutdruckmessgeräte für Senioren.
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Die Notfalldose. Eine Dose mit Infoblatt für Vorerkrankungen, Medikamente und Kontakte, dazu Aufkleber für Kühlschrank und Wohnungstür. Zu bedenken: Die Dose hilft nur, wenn das Blatt aktuell ist. Ich empfehle, es bei jeder Änderung des Medikamentenplans neu auszufüllen.
Das Beurer BM 28. Ein Oberarmgerät mit großer Anzeige und farbiger Einordnung der Werte, vielfach gekauft. Laut Schlaganfall-Hilfe weiß nur etwa jeder zweite Mensch mit Bluthochdruck von seiner Erkrankung, und Bluthochdruck gilt als wichtiger Risikofaktor. Zu bedenken: Ein Messgerät erkennt keinen Schlaganfall und ist kein Notfallwerkzeug. Wie oft gemessen wird und was die Werte bedeuten, bespricht man mit der Hausarztpraxis; vor dem Kauf den Oberarmumfang mit der Manschettengröße vergleichen.
Häufige Fragen zum Schlaganfall bei Senioren
Woran erkennt man einen Schlaganfall bei Senioren?
Die Schlaganfall-Hilfe nennt als häufigste Zeichen plötzliche Sehstörungen, Sprach- und Verständnisstörungen, Lähmungen oder Taubheit meist auf einer Körperseite, Schwindel mit unsicherem Gang und einen sehr starken, neuen Kopfschmerz. Für Laien eignet sich der FAST-Test: Gesicht, Arme, Sprache, Zeit.
Wie funktioniert der FAST-Test?
Man bittet die Person zu lächeln, beide Arme mit den Handflächen nach oben nach vorn zu strecken und einen einfachen Satz nachzusprechen. Hängt ein Mundwinkel, sinkt ein Arm oder klingt die Sprache verwaschen, wählt man sofort die 112.
Muss ich die 112 rufen, wenn die Zeichen wieder weg sind?
Ja, das empfiehlt die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe ausdrücklich. Klingen die Beschwerden nach Minuten ab, kann eine TIA dahinterstecken, eine vorübergehende Durchblutungsstörung. Sie gilt ebenfalls als Notfall, weil danach die Gefahr eines weiteren Schlaganfalls hoch ist.
Soll ich lieber zuerst den Hausarzt anrufen?
Bei Verdacht auf einen Schlaganfall nicht. Die Schlaganfall-Hilfe rät zur 112, weil die Behandlung in einer Klinik mit Schlaganfall-Erfahrung so früh wie möglich beginnen sollte.
Darf ich der Person etwas zu trinken oder eine Tablette geben?
Nein. Die Schlaganfall-Hilfe rät davon ab, Getränke oder Medikamente zu reichen, weil eine Schluckstörung vorliegen kann. Auch nichts zu essen geben.
Was sage ich am Telefon, wenn ich die 112 wähle?
Wo der Notfall ist, dass ein Verdacht auf Schlaganfall besteht, welche Zeichen man sieht, seit wann sie bestehen und wer anruft. Man muss das nicht auswendig können, die Leitstelle fragt nach und führt durch das Gespräch.
Was tun, wenn die Person bewusstlos wird?
In die stabile Seitenlage bringen, damit die Atemwege frei bleiben, Atmung beobachten und bei Atemstillstand mit der Wiederbelebung beginnen, wie es die Leitstelle anleitet.
Kann man einem Schlaganfall vorbeugen?
Das Risiko steigt mit dem Alter, und Bluthochdruck gehört laut Schlaganfall-Hilfe zu den wichtigsten Risikofaktoren, von dem viele nichts wissen. Regelmäßig den Blutdruck kontrollieren lassen und Werte mit der Hausarztpraxis besprechen, kann deshalb sinnvoll sein.
Weiterlesen: vorbereitet für den Notfall
Quellen, abgerufen am 29. September 2026: Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe, Der FAST-Test; Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe, Verhalten im Notfall; Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe, Schlaganfall-Symptome; Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe, Schlaganfall-Risiken; Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe über presseportal.de, Welt-Schlaganfalltag am 29. Oktober, Pressemitteilung vom 22.09.2023.
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