Sicherheit & Betrug

Kette weg nach der Umarmung: wie Trickdiebe Senioren auf der Straße und beim Einkauf ablenken

Trickdiebstahl unterwegs heißt: Jemand verwickelt ältere Menschen auf dem Gehweg, auf dem Parkplatz oder im Supermarkt in eine harmlose Situation und nimmt dabei Kette, Geldbörse oder Schlüssel an sich. Schutz bieten Abstand, eine Geldbörse dicht am Körper und der Mut, freundlich Nein zu sagen. Zwischen dem 5. und dem 15. Oktober 2026 haben Polizeidienststellen in Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Hessen, Baden-Württemberg und Thüringen vor diesen Tricks gewarnt. Hier steht, wie sie ablaufen, welche Sätze helfen können und was nach einem Diebstahl zuerst zu tun ist.

Aeltere Frau mit grauem Schal haelt einen Stadtplan und zeigt auf dem Gehweg in eine Richtung
Den Weg zu erklären ist nichts Falsches. Kommt danach jemand sehr nah, ist ein Schritt zurück die richtige Antwort.

Warnungen aus zehn Tagen

Drei Meldungen erzählen fast dieselbe Geschichte. Die Polizeiinspektion Northeim berichtet von einer Frau, die am 12. Oktober in Nörten-Hardenberg aus einem Auto heraus nach dem Weg gefragt wurde; zum Dank legte ihr die Fragerin eine Kette um den Hals und nahm dabei die eigene ab. Am selben Tag fragte in Baden-Baden eine Beifahrerin nach der nächsten Apotheke und legte zum Dank Schmuck an den Arm, schreibt das Polizeipräsidium Offenburg. Danach fehlten eine Goldkette und eine Armkette. Die Landespolizeiinspektion Jena meldete am 5. Oktober aus Weimar dasselbe mit einer Umarmung: Die echte Kette wurde gegen eine Attrappe getauscht. Die Polizei Mettmann spricht am 15. Oktober von einer Häufung des Kettentricks in den letzten Monaten.

Die zweite Gruppe spielt beim Einkaufen. In Braunschweig wurden laut Polizei Braunschweig binnen weniger Tage mindestens fünf ältere Menschen in Filialen derselben Discounterkette bestohlen, meist steckte die Geldbörse im Einkaufstrolley oder im Beutel am Einkaufswagen. Das Polizeipräsidium Nordhessen meldete am 14. Oktober drei Taschendiebstähle in Supermärkten und einer Fußgängerzone; in einem Fall hoben die Täter Geld mit der Karte ab, bevor sie gesperrt war. Und in Mannheim sprach eine Frau zwei Seniorinnen mit Rollator an, sie hätten Münzen verloren. Beim Aufsammeln verschwanden die Schlüssel, danach betrat sie die Wohnungen, berichtet das Polizeipräsidium Mannheim.

Das Muster dahinter: Nähe, Dank, Ablenkung

Die Täter bauen auf Hilfsbereitschaft. Wer den Weg erklärt und Dank bekommt, will nicht unfreundlich wirken; genau dann kommt jemand sehr nah. Die Polizeiliche Kriminalprävention beschreibt, dass Taschendiebe meist im Team arbeiten und Opfer etwa umarmen oder ihnen eine Blume anstecken, während ein anderer zugreift.

So läuft der Trick mit der Umarmung ab Vier Schritte untereinander: Erstens fragt jemand aus dem Auto oder auf dem Gehweg nach dem Weg. Zweitens bedankt er sich überschwänglich und kommt sehr nah. Drittens legt er eine Kette oder einen Armreif an oder umarmt. Viertens fehlt danach der eigene Schmuck. Darunter zwei gezeichnete Ketten: links die echte goldene Kette, ein Pfeil, rechts eine graue Attrappe. So läuft der Trick ab 1 Eine Frage nach dem Weg, oft aus einem Auto heraus 2 Großer Dank plötzlich sehr nah 3 Ein Geschenk Kette oder Armreif wird angelegt, eine Umarmung 4 Schmuck weg bemerkt erst später echt Attrappe
Ablauf nach den Meldungen der Polizei Northeim, Offenburg und Jena vom 5. und 13. Oktober 2026.

Auf der Straße: Abstand ist keine Unhöflichkeit

Den Weg zu erklären ist nichts Falsches. Es geht um das, was danach kommt. Ich empfehle eine Armlänge Abstand und bei einem Auto nicht ans offene Fenster zu treten. Will jemand ein Geschenk anlegen oder umarmen, ist das der Moment für einen Schritt zurück. Hilfreich kann sein, sich ein paar Sätze vorher zurechtzulegen:

  • „Gern geschehen, alles Gute.“ Freundlich und ein Schritt zurück. Dabei die Hand vor die Brust oder auf die Tasche legen.
  • „Nein danke, das möchte ich nicht.“ Wenn jemand Schmuck anlegen oder umarmen will. Ein Geschenk von Fremden muss niemand annehmen.
  • „Danke, ich spende nur an Vereine, die ich kenne.“ Wenn jemand mit Liste oder Klemmbrett um Bargeld bittet. Keinen Geldschein zum Wechseln aus der Hand geben.
  • „Lassen Sie mich in Ruhe!“ Laut, wenn jemand trotzdem näher kommt. Aufmerksamkeit von Passanten ist das, was Trickdiebe am wenigsten wollen.

Kennzeichen merken, wenn es geht. Wer aus einem Auto angesprochen wird und ein ungutes Gefühl hat, kann sich Farbe, Marke und einen Teil des Kennzeichens merken. In den Meldungen aus Northeim und Baden-Baden bittet die Polizei genau um solche Hinweise.

Eine Spielart davon ist die Spendenliste. In Hoya hielt ein Mann einer Frau auf einem Parkplatz ein Klemmbrett mit einer Liste für ein angebliches Taubstummenzentrum vor und umarmte sie dabei mehrfach, berichtet die Polizeiinspektion Nienburg/Schaumburg am 15. Oktober. Gefälschte Listen schaffen Vertrauen und einen Vorwand für Nähe, schreibt die Polizei. Seriöse Organisationen sammeln in der Regel nicht auf diese Art Bargeld. Auf einem Supermarktparkplatz in Ludwigsburg-Neckarweihingen bat ein Mann um eine Spende, nahm einen Fünfzig-Euro-Schein zum Wechseln mit und kam nicht zurück, meldet das Polizeipräsidium Ludwigsburg.

Aeltere Frau mit Brille greift im Supermarkt nach einem Artikel im oberen Regal
Der Blick geht ins Regal, der Wagen steht hinter einem: Die Geldbörse gehört deshalb an den Körper, nicht in den Korb.

Beim Einkauf: die Geldbörse gehört an den Körper

Was die Braunschweiger Fälle verbindet, ist der Ort der Geldbörse: im Trolley, im Beutel am Wagen, oben im Korb. Dort ist sie für einen geübten Dieb in Sekunden erreichbar, während man ins Regal schaut. Die Polizeiliche Kriminalprävention rät, Geld, Karten und Papiere getrennt in verschlossenen Innentaschen möglichst dicht am Körper zu tragen, Handtaschen geschlossen vorn oder unter dem Arm, und Taschen nie über Stuhllehnen zu hängen.

Wo die Geldbörse beim Einkauf hingehört Oben ein gezeichneter Einkaufswagen mit einem Beutel am Griff, darin die Geldbörse, dazu ein rotes Kreuz und die Beschriftung: nicht im Beutel am Wagen. Unten eine gezeichnete Person mit einer geschlossenen Tasche vorn am Körper, dazu ein grünes Häkchen und die Beschriftung: nah am Körper, Tasche vorn und zu. Die Geldbörse beim Einkauf Nicht im Beutel am Wagen Nah am Körper, Tasche vorn und zu Geld lieber in die Innentasche
Nach den Tipps der Polizeilichen Kriminalprävention und der Polizei Braunschweig vom 13. Oktober 2026.

Mit Rollator oder Trolley ist das schwieriger, weil die Hände am Griff sind. Eine Tasche, die vorn am Rollator hängt und einen Reißverschluss hat, bleibt im Blickfeld; ein offener Korb unter dem Sitz nicht. Welche Taschen es gibt und wie sie befestigt werden, steht auf der Seite Rollatortaschen für Senioren. Wer einen Trolley nutzt, legt die Geldbörse nicht oben hinein, sondern trägt sie am Körper; Modelle im Vergleich finden Sie unter Einkaufstrolleys für Senioren.

Zwei Rollatortaschen mit Reißverschluss für vorn

Beide hängen vorn am Rollator, im Blickfeld. Die Innentasche für die Karte ersetzen sie nicht.

Vive Zimmer Rahmentasche – Universal-Rollator-Reisetasche für den Transport von Zubehör auf Rollstuhl, Rollatoren und Transportstühlen, Leichter Laptopkorb für Behinderte, MedizinVive Universal-Rollatortasche24,89 EURRollatortasche ansehen
supregear Walker Tasche mit Getränkehalter, Wasserdicht Rollstuhltasche Falten Walker-Zubehör Korb für Rollstühle, Rollatoren, Roller (Blumen)supregear Rollatortasche mit Reißverschlussfach18,99 EURRollatortasche ansehen

Preise und Verfügbarkeit abgerufen am 19.10.2026 um 15:23 Uhr / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API

Die Vive-Tasche. Hauptfach mit Reißverschluss und ein Schultergurt, mit dem die Tasche mit in den Laden kann. Befestigt wird sie mit Klettbändern. Zu bedenken: Klett lässt sich auch von Fremden schnell lösen; bleibt der Rollator draußen, kommt die Tasche mit.

Die supregear-Tasche. Kleiner, mit Netzfächern und einem Reißverschlussfach an der Rückseite, also zum Körper hin: dort ist die Geldbörse geschützter als im Netz. Zu bedenken: Für einen Wocheneinkauf ist sie zu klein.

Wenn es doch passiert ist: was zuerst kommt

Wer sich schämt und zögert, hilft nur den Tätern. Der Fall aus Nordhessen zeigt, wie schnell mit einer gestohlenen Karte Geld abgehoben wird. Die Polizeiliche Kriminalprävention rät, nach einem Diebstahl umgehend Anzeige zu erstatten und eine Zahlungskarte sofort sperren zu lassen, über den Sperr-Notruf 116 116, sofern die eigene Bank angeschlossen ist, sonst direkt bei der Bank. Damit die Karte auch für Zahlungen mit Unterschrift gesperrt wird, muss der Verlust zusätzlich der Polizei gemeldet werden.

Was nach einem Diebstahl zu tun ist Vier Zeilen mit gezeichneten Symbolen: ein Telefon für 110 anrufen; eine Bankkarte für Karte sperren über den Sperr-Notruf 116 116; ein Polizeischild für die Lastschrift-Sperre über die Polizei; ein Schlüssel für den Fall, dass der Schlüssel gestohlen wurde: Polizei und Vermieter Bescheid geben. Wenn es passiert ist 110 anrufen auch wenn es später erst auffällt Karte sperren Sperr-Notruf 116 116 Lastschrift sperren über die Polizei Schlüssel weg? Polizei und Vermieter gleich Bescheid geben Nicht schämen, melden.
Nach den Hinweisen der Polizeilichen Kriminalprävention der Länder und des Bundes, Stand Oktober 2026.

Schlüssel und Ausweis zusammen weg? Dann kennen die Täter unter Umständen auch die Adresse. Sofort die 110 anrufen und das so sagen, nicht erst nach Hause gehen. Wer allein lebt, kann einen Nachbarn oder Angehörigen bitten, mitzukommen.

Angehörige können vorbereiten: 116 116 und die Kartendaten auf einen Zettel außerhalb der Geldbörse, ein Zweitschlüssel in der Familie. Wie man so etwas beim Besuch anspricht, steht im Beitrag Besuch bei den Eltern.

Junge Frau geht untergehakt mit einer aelteren Frau mit Gehstock eine Wohnstrasse entlang
Wer zu zweit unterwegs ist, hat ein zweites Paar Augen dabei. Angehörige können außerdem die Sperrnummer 116 116 und einen Zweitschlüssel bereithalten.

Häufige Fragen zu Trickdieben unterwegs

Ist es unhöflich, eine Umarmung von Fremden abzulehnen?

Nein. Ein Schritt zurück und ein freundliches „Gern geschehen, alles Gute“ genügen. Wer trotzdem näher kommt, darf laut werden.

Woran erkenne ich, dass jemand mich ablenken will?

An einer Mischung aus Frage, großer Dankbarkeit und plötzlicher Nähe, oft zu zweit. Die Polizeiliche Kriminalprävention beschreibt, dass Taschendiebe meist im Team arbeiten und den direkten Blickkontakt meiden, weil sie eher auf die Beute schauen.

Wo trage ich Geld und Karte beim Einkaufen?

In verschlossenen Innentaschen der Kleidung, möglichst dicht am Körper, rät die Polizeiliche Kriminalprävention; die Geldbörse nicht oben in Einkaufswagen oder Korb.

Meine Bankkarte wurde gestohlen. Was zuerst?

Die Karte sofort sperren lassen, über den Sperr-Notruf 116 116 oder direkt bei der Bank, und Anzeige bei der Polizei erstatten. Nur über die Polizei lässt sich die Karte zusätzlich für das Lastschriftverfahren mit Unterschrift sperren, die sogenannte KUNO-Sperre.

Was tue ich, wenn mein Wohnungsschlüssel weg ist?

Gleich die Polizei anrufen und sagen, dass die Adresse bekannt sein könnte, etwa über den Ausweis. Danach mit Vermieter oder Hausverwaltung klären, ob das Schloss getauscht wird.

Ist die Kette zurückzubekommen?

Das lässt sich nicht versprechen. Je schneller die Anzeige und je genauer die Beschreibung, desto eher kann die Polizei ermitteln.

Sollte ich Schmuck unterwegs lieber gar nicht tragen?

Das entscheidet jeder selbst. Ketten und Uhren lassen sich unter Kragen oder Ärmel tragen.

Jemand sagt mir, ich hätte Geld verloren. Was nun?

Erst die eigene Tasche und den Schlüssel festhalten, dann nachsehen. Wer unsicher ist, kann sagen: „Danke, ich schaue gleich selbst.“

Weiterlesen: sicher unterwegs und zu Hause

Quellen, abgerufen am 15. Oktober 2026: Polizeiinspektion Northeim über presseportal.de, Trickdiebstahl, Kette entwendet, 13.10.2026; Polizeipräsidium Offenburg über presseportal.de, Baden-Baden, Trickdiebstahl, 13.10.2026; Landespolizeiinspektion Jena über presseportal.de, Achtung Trickdiebstahl, 05.10.2026; Polizei Braunschweig über presseportal.de, Serie von Diebstählen in Discounter-Filialen, 13.10.2026; Polizeipräsidium Nordhessen über presseportal.de, Taschendiebstähle in Discountern und Fußgängerzonen, 14.10.2026; Polizeipräsidium Mannheim über presseportal.de, Wohnungseinbrüche nach Schlüsseldiebstahl, 12.10.2026; Polizei Mettmann über presseportal.de, Kettentrick, 15.10.2026; Polizeiinspektion Nienburg/Schaumburg über presseportal.de, Hoya, angebliche Spendensammler, 15.10.2026; Polizeipräsidium Ludwigsburg über presseportal.de, Spendensammler, 15.10.2026; Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes, Taschendiebstahl.

* Affiliate-/Werbelinks. Als Amazon-Partner verdiene ich an qualifizierten Verkäufen. Bei einem Kauf über diese Links erhalte ich eine kleine Provision. Für Sie ändert sich der Preis dadurch nicht. Maßgeblich ist der zum Zeitpunkt des Kaufs auf Amazon angezeigte Preis.

Das könnte Sie auch interessieren

Fehler entdeckt oder etwas veraltet? Schreiben Sie mir kurz, ich prüfe jeden Hinweis und korrigiere die Seite so schnell wie möglich. Fehler melden