Herzinfarkt-Anzeichen bei Senioren: woran man einen Herznotfall erkennt, auch wenn es nicht in der Brust drückt
Ein Herzinfarkt kündigt sich bei älteren Menschen oft nicht mit dem bekannten Brustschmerz an, sondern mit Atemnot, Übelkeit, Schmerzen im Rücken oder Oberbauch oder einer Schwäche, die man so nicht kennt. Wer solche Beschwerden länger als fünf Minuten hat oder sie so noch nie erlebt hat, wählt sofort die 112 und fährt nicht selbst. Zum Weltherztag am 29. September steht hier, welche Zeichen die Deutsche Herzstiftung nennt, warum sie bei Frauen und bei Diabetes anders aussehen können und was in den ersten Minuten zu tun ist. Was ich hier weitergebe, sind die Empfehlungen der Herzstiftung und weiterer öffentlicher Stellen, die Links stehen am Ende. Fragen zum eigenen Herzen klärt die Hausarztpraxis, im Notfall die 112.

Die bekannten Zeichen: Druck hinter dem Brustbein, der ausstrahlt
Das Bild, das die meisten vor Augen haben, stimmt für viele Infarkte: Schmerz hinter dem Brustbein, als Druck, Enge oder Brennen, der in einen oder beide Arme, in Hals und Kiefer, in den Rücken oder den Oberbauch ausstrahlen kann. Dazu kommen oft Angstschweiß und eine kalte, fahle Haut. Die Deutsche Herzstiftung nennt als Faustregel für das Handeln: Halten die Schmerzen länger als fünf Minuten an, sollte man sofort handeln und die 112 wählen.
Die Herzstiftung beschreibt außerdem Vorboten: kurze Phasen von Brustenge oder Brennen in den ein bis zwei Tagen davor, manchmal in Ruhe oder nachts. Wer so etwas bemerkt, dem empfehle ich, nicht auf den nächsten Routinetermin zu warten, sondern sich zeitnah in der Hausarztpraxis zu melden. Kommt es wieder und hält an, ist es ein Fall für die 112.
Wenn es nicht in der Brust drückt: Frauen, Diabetes und ein hohes Alter
Gerade bei älteren Frauen sind die Zeichen nach Angaben der Herzstiftung weniger charakteristisch. Genannt werden Kurzatmigkeit, Schweißausbrüche, Schmerzen zwischen den Schulterblättern, Übelkeit, Erbrechen, Schmerzen im Oberbauch, ein Ziehen in den Armen und eine unerklärliche Müdigkeit. Viele denken dann zuerst an eine harmlose Magenverstimmung, so beschreibt es die Herzstiftung, und legen sich hin.
Bei Menschen mit Diabetes kommt etwas hinzu: Lange erhöhte Blutzuckerwerte können Nerven schädigen, die Schmerzsignale weiterleiten. Ein Infarkt verläuft dann womöglich fast ohne Schmerz. Die Herzstiftung spricht vom stummen Herzinfarkt und empfiehlt Betroffenen regelmäßige Herzkontrollen. Was bleibt, können unklare Zeichen sein, die Herzstiftung nennt etwa Atemnot, Schwindel und Abgeschlagenheit.
Was ich in der Pflege häufig beobachte: Ältere Menschen wollen niemandem zur Last fallen. Sie rufen erst die Tochter an, dann die Nachbarin, und irgendwann den Hausarzt. Die Zeit, die dabei vergeht, kann später fehlen. Wer allein lebt, darf die 112 wählen, ohne vorher jemanden zu fragen. Genau dafür ist sie da.
Die Herzstiftung berichtet außerdem von einer Studie, nach der Frauen über 65 mit Infarktzeichen im Schnitt über viereinhalb Stunden brauchen, bis sie in der Notaufnahme ankommen, gleichaltrige Männer etwa dreieinhalb. Als einen Grund nennt sie, dass ältere Frauen häufig allein leben. Für Angehörige heißt das: nicht nur über den Brustschmerz sprechen, sondern auch über die anderen Zeichen, und darüber, dass die 112 dann kein Übertreiben ist.
Die ersten Minuten: 112, Tür öffnen, hinsetzen
Für die Zeit bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes empfehle ich eine einfache Reihenfolge, zusammengestellt aus den Hinweisen der Fachstellen. Sie lässt sich auch allein umsetzen und verlangt nichts, was viel Kraft kostet.
- Am Telefon: Name, Adresse, Stockwerk und Klingelname, welche Beschwerden seit wann. Erst auflegen, wenn die Leitstelle keine Fragen mehr hat.
- Wenn jemand dabei ist: Oberkörper erhöht lagern, enge Kleidung öffnen, ruhig bleiben und die Person nicht allein lassen.
- Wenn Sie allein sind: Die Wohnungs- oder Haustür öffnen, solange Sie es noch gut können, und sich dann setzen.
- Nicht selbst fahren: Weder mit dem eigenen Auto noch als Beifahrer im Wagen der Nachbarn. Der Rettungswagen hat einen Defibrillator an Bord.
Wenn jemand bewusstlos wird und nicht normal atmet: Dann gilt die Herzdruckmassage, bis der Rettungsdienst übernimmt. Die Leitstelle leitet am Telefon an. Die Herzstiftung rät Laien dabei von der Beatmung ab: drücken, in der Mitte der Brust, fest und schnell. Einen Erste-Hilfe-Kurs ersetzt das nicht.
112 oder 116 117: welche Nummer wann
Die Verbraucherzentrale beschreibt die 116 117 als ärztlichen Bereitschaftsdienst für Beschwerden, die nicht lebensbedrohlich sind, nachts, am Wochenende und an Feiertagen. Bei Lebensgefahr, und ein Verdacht auf Herzinfarkt gehört ausdrücklich dazu, ist es die 112.
Vorbereiten, solange nichts ist
Was im Notfall hilft, wird an einem ruhigen Tag erledigt. Eine aktuelle Medikamentenliste in der Notfalldose im Kühlschrank kann dem Rettungsdienst das Suchen ersparen. Es lohnt sich, die 112 und die Nummern der Angehörigen auf die Kurzwahl zu legen. Und wer allein lebt und schon einmal Herzbeschwerden hatte, bespricht mit der Familie, wie Hilfe kommt, wenn das Telefon nicht mehr erreichbar ist.
Zwei Helfer für den Alltag, keiner für den Notfall
Beide Geräte ersetzen im Notfall nicht die 112. Sie helfen davor und danach: bei der regelmäßigen Kontrolle, die die Hausarztpraxis vorgibt, und beim Gefühl, allein nicht ohne Verbindung zu sein. Mehr Modelle stehen auf den Seiten Blutdruckmessgeräte für Senioren und Notrufknopf für Senioren.
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Kein Ersatz für ärztliche Beratung. Dieser Beitrag gibt die Hinweise der Deutschen Herzstiftung und weiterer öffentlicher Stellen wieder. Er ersetzt keine ärztliche Untersuchung, keine Diagnose und keinen Erste-Hilfe-Kurs. Bei Verdacht auf einen Herzinfarkt wählen Sie sofort die 112. Fragen zu Ihrem eigenen Herz und zu Medikamenten besprechen Sie mit Ihrer Hausarztpraxis.
Häufige Fragen zu Herzinfarkt-Anzeichen im Alter
Welche Herzinfarkt-Anzeichen sind bei Senioren anders als bei Jüngeren?
Bei älteren Menschen, besonders bei älteren Frauen, sind die Zeichen nach Angaben der Deutschen Herzstiftung oft weniger typisch. Statt des starken Brustschmerzes stehen dann Atemnot, Übelkeit, Erbrechen, Schmerzen im Oberbauch oder zwischen den Schulterblättern oder eine unerklärliche Schwäche im Vordergrund.
Ab wann rufe ich bei Brustschmerzen die 112?
Wenn die Beschwerden länger als fünf Minuten anhalten, wenn sie so stark oder so noch nie aufgetreten sind oder wenn Atemnot, kalter Schweiß oder Übelkeit dazukommen. Im Zweifel lieber einmal zu oft anrufen: Die Leitstelle entscheidet, was nötig ist.
Darf ich mit Verdacht auf einen Herzinfarkt selbst ins Krankenhaus fahren?
Nein. Die Deutsche Herzstiftung rät ausdrücklich davon ab, selbst zu fahren. Auch Angehörige sollten nicht fahren, sondern die 112 wählen. Der Rettungsdienst ist in der Regel schneller in der passenden Klinik und hat einen Defibrillator an Bord.
Soll ich zuerst meine Kinder oder den Hausarzt anrufen?
Nein, zuerst die 112. Das Frauengesundheitsportal des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit weist ausdrücklich darauf hin, nicht zuerst Verwandte oder die Hausarztpraxis anzurufen. Die Familie wird informiert, wenn der Rettungsdienst unterwegs ist.
Was sage ich am Telefon, wenn ich die 112 wähle?
Name, Adresse und welche Beschwerden seit wann bestehen, dann nicht auflegen, bevor die Leitstelle alle Fragen gestellt hat. So beschreibt es die Deutsche Herzstiftung. Stockwerk und Klingelname können dem Rettungsdienst zusätzlich beim Finden helfen.
Was ist ein stummer Herzinfarkt?
Ein Infarkt, der ohne eindeutige Beschwerden verläuft. Die Deutsche Herzstiftung nennt für Menschen mit Diabetes ein erhöhtes Risiko, weil geschädigte Nerven Schmerzsignale abschwächen können. Sie rät ihnen, das Herz regelmäßig kontrollieren zu lassen; wie oft, klärt die Hausarztpraxis.
Kann ich mit meinem Blutdruckmessgerät einen Herzinfarkt erkennen?
Nein. Ein Blutdruckmessgerät ist für die regelmäßige Kontrolle im Alltag gedacht. Bei Verdacht auf einen Herzinfarkt wird nicht erst gemessen, sondern sofort die 112 gewählt. Ein normaler Wert schließt einen Infarkt nicht aus.
Wann ist die 116 117 die richtige Nummer?
Bei Beschwerden, die nicht lebensbedrohlich sind, aber nicht bis zur nächsten Sprechstunde warten können, nachts, am Wochenende oder an Feiertagen. Die Nummer gilt bundesweit ohne Vorwahl und ist kostenlos. Bei Verdacht auf Herzinfarkt ist sie die falsche Nummer, dann gilt die 112.
Weiterlesen zu Notfall und Vorsorge
Quellen, abgerufen am 25. September 2026: Deutsche Herzstiftung, Anzeichen eines Herzinfarkts, Herzinfarkt bei Frauen, Stummer Herzinfarkt und Erste Hilfe bei Herzinfarkt; Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit, Was tun bei Herzbeschwerden? und Akutbeschwerden und Notfälle; Verbraucherzentrale, Bereitschaftsdienst 116 117; Stiftung Gesundheitswissen, Herzinfarkt: was im Verdachtsfall zu tun ist.
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