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Bündnis gegen Einsamkeit in Baden-Württemberg: was es für Senioren bedeutet

Das Bündnis gegen Einsamkeit in Baden-Württemberg ist ein Zusammenschluss von 56 Organisationen, den das Sozialministerium am 2. November 2026 in Stuttgart gegründet hat. Es soll in den kommenden Monaten eine Landesstrategie gegen Einsamkeit erarbeiten. Für Senioren ändert sich dadurch heute noch nichts. Was es schon gibt, steht weiter unten: neun geförderte Projekte für Ältere im Land und zwei Telefone, bei denen jemand zuhört.

Fuenf aeltere Menschen sitzen draussen an einem Cafetisch mit Kaffee und Kuchen und unterhalten sich
Begegnungsorte im Quartier waren eines der Themen der Gründungskonferenz.

Die Gründung am 2. November in Stuttgart

Im Stuttgarter Hospitalhof trafen sich am Montag 56 Organisationen zur Gründungskonferenz. Eingeladen hatte das Ministerium für Soziales, Arbeit und Gesundheit. Sozialminister Oliver Hildenbrand (Grüne) sagte dazu laut Pressemitteilung: „Einsamkeit betrifft Menschen in allen Lebensphasen.“ Das Bündnis soll für das Thema sensibilisieren, bestehende Initiativen stärken und eine Landesstrategie entwickeln.

Auf dem Programm standen 14 Workshops, unter anderem zu Begegnungsorten im Quartier, zu Einsamkeit am Arbeitsplatz, zum Übergang in den Ruhestand und zu Hilfe für besonders betroffene Gruppen, dazu ein Markt der Möglichkeiten mit 18 Initiativen. Als Nächstes sind Strategietreffen geplant und Netzwerkveranstaltungen in allen vier Regierungsbezirken. Darüber berichtete auch die Tagesschau mit einer Meldung des SWR.

Der Weg zum Bündnis gegen Einsamkeit Eine senkrechte Zeitleiste mit sechs Punkten. November 2025: Landesstudie zur Einsamkeit. Januar 2026: über 300 Ideen eingereicht. April 2026: 35 Projekte mit 875.000 Euro ausgezeichnet. Juni 2026: das Bündnis wird angekündigt. 2. November 2026: Gründung mit 56 Organisationen in Stuttgart. Danach: gemeinsame Arbeit an einer Landesstrategie. Unten ein gezeichneter runder Tisch mit Stühlen. Der Weg zum Bündnis 1 Nov. 2025 Landesstudie 2 Jan. 2026 Über 300 Ideen 3 Apr. 2026 35 Projekte gefördert 4 Juni 2026 Bündnis angekündigt 5 2. Nov. 2026 Gründung, 56 Partner 6 Danach Landesstrategie
Zeitleiste nach den Pressemitteilungen des Sozialministeriums vom 19. Juni und 1. November 2026 sowie der Broschüre zum Ideenwettbewerb.

Wer im Bündnis sitzt und wer die Gründung gestaltet hat

Eine vollständige Liste der 56 Mitglieder hat das Ministerium bis zum Abend des 2. November nicht veröffentlicht. Beschrieben ist, aus welchen Gruppen sie kommen: große Verbände aus Wohlfahrt und Gesundheitswesen, die kommunalen Landesverbände, vier Landesministerien und Vertretungen besonders gefährdeter Gruppen. Namentlich genannt oder eindeutig sind diese:

Kommunale Landesverbände → In Baden-Württemberg sind das der Gemeindetag, der Städtetag und der Landkreistag.
Wissenschaft → Prof. Dr. Marlen Niederberger von der Pädagogischen Hochschule Schwäbisch Gmünd hielt den Eröffnungsvortrag „Nett hier und trotzdem einsam“.
Podium → Es diskutierten Minister Hildenbrand, Dr. Alexandra Sußmann, Sozialbürgermeisterin der Stadt Stuttgart, und Theresia Bauer, Geschäftsführerin der Baden-Württemberg Stiftung. Es moderierte Maryam Bonakdar vom SWR.
Grundlagen → Die Landesstudie der Bertelsmann Stiftung und die Empfehlungen der Enquetekommission „Krisenfeste Gesellschaft“ des Landtags.
Bund → Das Land beteiligt sich mit dem Bündnis an der Allianz gegen Einsamkeit, die das Bundesfamilienministerium im Juni 2026 gestartet hat.

In der Jury des Ideenwettbewerbs saßen unter anderem der Landesseniorenrat, die LAG Selbsthilfe Baden-Württemberg und das Diakonische Werk Württemberg. Ob sie zu den 56 Gründungsmitgliedern gehören, steht in den Mitteilungen nicht.

Wie einsam sich ältere Menschen im Land fühlen

Grundlage des Bündnisses ist die erste Landesstudie zur Einsamkeit, erstellt von der Bertelsmann Stiftung und im November 2025 veröffentlicht. Von 1.842 Befragten fühlten sich 30,1 Prozent moderat und 8,1 Prozent stark einsam. Ein Ergebnis fällt auf: Die Gruppe über 65 nannte die niedrigsten Werte, am stärksten betroffen waren Menschen zwischen 30 und 65.

Einsamkeit in Baden-Württemberg nach Alter Drei waagrechte Balken für drei Altersgruppen, aufgeteilt in nicht einsam, moderat einsam und stark einsam. Unter 30 Jahren: 60 Prozent nicht einsam, 34 Prozent moderat, 6 Prozent stark. 30 bis 65 Jahre: 58 Prozent nicht einsam, 32 Prozent moderat, 10 Prozent stark. Über 65 Jahre: 69 Prozent nicht einsam, 26 Prozent moderat, 6 Prozent stark. Wie einsam, nach Alter? Unter 30 Jahre 34 % moderat, 6 % stark 30 bis 65 Jahre 32 % moderat, 10 % stark Über 65 Jahre 26 % moderat, 6 % stark nicht einsam moderat stark
Werte aus der Studie „Einsamkeit und gesellschaftlicher Zusammenhalt: Baden-Württemberg 2025“ der Bertelsmann Stiftung, Seite 25 und 26, gerundet. Online-Befragung von 1.842 Menschen.

Zwei Dinge gehören dazu. Die Befragung lief online, Menschen ohne Internet sind darin kaum vertreten. Und die Studie schreibt, dass im Alter Verluste häufiger werden, etwa des Partners, der Gesundheit oder der Beweglichkeit, und deshalb das Risiko steigt, dauerhaft einsam zu bleiben.

Aeltere Frauen und ein Mann spielen lachend Karten an einem Holztisch mit Kaffeetassen
Ein fester Spielenachmittag kann ein guter Anfang sein.

Neun Projekte für Ältere, die schon laufen

Vor dem Bündnis hatte das Land einen Ideenwettbewerb ausgeschrieben. Über 300 Initiativen, Vereine und Organisationen reichten bis Ende Januar 2026 Ideen ein, 35 Projekte wurden im April mit zusammen 875.000 Euro ausgezeichnet. Neun davon richten sich an ältere Menschen, die meisten laufen bis 2028:

Mannheim → Die AWO Mannheim bietet „WaldGEMEINSAMzeit“ an: von März bis Oktober monatlich ein begleiteter Spaziergang im Käfertaler Wald, auch mit Rollator oder Rollstuhl, danach ein Picknick.
Dossenheim → Die Gemeinde Dossenheim schickt ein Bürgerbike los, eine Elektro-Rikscha für zwei Mitfahrende, gefahren von Ehrenamtlichen der Initiative „Bürger für Bürger“. Fahrten lassen sich beim Seniorenbüro per Telefon oder Mail buchen.
Karlsruhe → Die Citykirche Karlsruhe vermittelt Brieffreundschaften, vor allem für ältere Menschen, mit Schreibwerkstätten vor Ort.
Ötigheim → Der Seniorenbeirat der Gemeinde Ötigheim lädt monatlich zur Kochgruppe ins Gemeindezentrum ein, mit Abhol- und Bringdienst.
Friedrichshafen → Die vhs Friedrichshafen bildet Begegnungslotsen aus und plant Treffpunkte an ungewöhnlichen Orten, beim Friseur oder in der Apotheke.
Freiburg → Die FABRIK für Handwerk, Kultur und Ökologie eröffnet einen Nachbarschaftskiosk, den ältere Menschen als Mitbetreibende gestalten.
Oberboihingen → Der Krankenpflegeverein Oberboihingen fährt mit einer Kaffee- und Saft-Bar auf dem Lastenrad dorthin, wo Menschen ohnehin sind: Bahnhof, Friedhof, Läden.
Mehrstetten → Der Förderverein Marktplatz Mehrstetten holt Ältere zweimal pro Woche zum Einkaufen ab, danach gibt es Kaffee und Gespräch.
Konstanz → Die Tafel im Landkreis Konstanz gründet eine Theatergruppe für ältere Menschen, die einsam sind.

Ansprechpersonen mit Telefonnummer stehen in der Broschüre zum Ideenwettbewerb. Für pflegende Angehörige gibt es im Alb-Donau-Kreis ein eigenes Projekt: Das Landratsamt ergänzt den Pflegestützpunkt um geschulte Ehrenamtliche und monatliche Gruppentreffen.

Was Sie schon heute tun können

Eine Landesstrategie braucht Zeit. Diese Wege gibt es jetzt schon:

Drei Wege, die es heute schon gibt Drei gezeichnete Felder untereinander. Ein Telefonhörer: anrufen, beim Silbertelefon für Menschen ab 60 oder bei der TelefonSeelsorge. Ein Tisch mit zwei Tassen: ein Treffpunkt im Ort, etwa ein Begegnungscafé. Ein Rathaus: im Rathaus oder Seniorenbüro nach Angeboten fragen. Drei Wege, schon heute Anrufen Zuhören am Telefon Hingehen Treffpunkt im Ort Nachfragen Rathaus, Seniorenbüro
Das Bündnis arbeitet erst an seiner Strategie. Diese drei Wege gibt es schon heute.
  • Anrufen, auch ohne Krise. Das Silbertelefon ist für Menschen ab 60 unter 0800 4 70 80 90 täglich von 8 bis 22 Uhr erreichbar, kostenfrei und anonym. Silbernetz vermittelt auch Telefonfreundschaften mit einem festen Anruf pro Woche. Die TelefonSeelsorge hört unter 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222 Tag und Nacht zu.
  • Im Rathaus fragen. Viele Gemeinden haben ein Seniorenbüro oder einen Seniorenbeirat, der Besuchsdienste, Fahrdienste und Treffs im Ort kennt.
  • Einen festen Termin suchen. Spielenachmittag, Chor, Volkshochschule: Ein wiederkehrender Termin trägt oft weiter als eine einzelne Einladung.
  • Etwas für andere tun. Mehrere der neun Projekte leben von Ehrenamtlichen.

Mehr zu Telefonketten, Besuchsdiensten und Videoanrufen steht in meinem Beitrag Einsamkeit im Alter: was im Alltag hilft.

Aeltere Frau mit grauen Locken sitzt auf dem Sofa und lacht beim Telefonieren
Ein Anruf in der Woche kann zu einem festen Punkt werden, auf den man sich freut.

Für den Spielenachmittag: Karten, die man gut erkennt

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Ein Spielenachmittag scheitert manchmal an zu kleinen Kartenzeichen. Dieses Rommé-Blatt hat ein größeres Format und große Eckzeichen, es eignet sich auch für Canasta oder Mau-Mau. Zu bedenken: Größere Karten sind schwerer zu mischen und zu fächern, ein Kartenhalter kann dabei helfen. Weitere Spiele mit großem Material stehen auf der Seite Spiele für Senioren.

Wenn es mehr ist als ein stiller Tag. Halten Niedergeschlagenheit, Schlafprobleme oder Antriebslosigkeit über Wochen an, empfehle ich die Hausarztpraxis als erste Anlaufstelle. In einer akuten Krise ist die TelefonSeelsorge rund um die Uhr erreichbar, im Notfall gilt die 112. Dieser Beitrag ersetzt keine ärztliche Beratung.

Fragen zum Bündnis gegen Einsamkeit

Was ist das Bündnis gegen Einsamkeit in Baden-Württemberg?

Ein Zusammenschluss von 56 landesweit tätigen Organisationen, den das Ministerium für Soziales, Arbeit und Gesundheit am 2. November 2026 in Stuttgart gegründet hat. Das Bündnis soll in den kommenden Monaten eine Landesstrategie gegen Einsamkeit erarbeiten.

Welche Organisationen sind Mitglied im Bündnis?

Laut Ministerium Verbände aus Wohlfahrt und Gesundheitswesen, die kommunalen Landesverbände, vier Landesministerien und Vertretungen besonders gefährdeter Gruppen. Eine vollständige Liste war am 2. November 2026 nicht veröffentlicht.

Ändert sich für Senioren jetzt sofort etwas?

Nicht sofort. Das Bündnis arbeitet zunächst an einer Strategie, dazu sind Strategietreffen und Netzwerkveranstaltungen in den vier Regierungsbezirken geplant. Angebote vor Ort, Besuchsdienste und Telefone gibt es aber schon heute.

Wie viele Menschen in Baden-Württemberg fühlen sich einsam?

In der Landesstudie der Bertelsmann Stiftung von 2025 fühlten sich 30,1 Prozent der Befragten moderat und 8,1 Prozent stark einsam. Befragt wurden 1.842 Menschen online.

Sind ältere Menschen besonders von Einsamkeit betroffen?

In der Befragung für Baden-Württemberg gaben Menschen über 65 die niedrigsten Werte an: 26 Prozent moderat und 6 Prozent stark einsam. Die Studie weist aber darauf hin, dass im Alter Verluste und Einschränkungen häufiger werden und das Risiko steigt, dauerhaft einsam zu bleiben.

Welche Projekte gegen Einsamkeit im Alter gibt es in Baden-Württemberg?

Neun der 35 im April 2026 ausgezeichneten Projekte richten sich an Ältere, etwa eine Rikscha in Dossenheim oder Waldspaziergänge in Mannheim. Alle stehen in der Broschüre des Ministeriums.

Wen kann ich anrufen, wenn ich mich einsam fühle?

Das Silbertelefon von Silbernetz ist für Menschen ab 60 unter 0800 4 70 80 90 täglich von 8 bis 22 Uhr erreichbar, kostenfrei und anonym. Die TelefonSeelsorge ist unter 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222 Tag und Nacht erreichbar.

Was hat das Landesbündnis mit der Allianz gegen Einsamkeit des Bundes zu tun?

Das Bundesfamilienministerium hat im Juni 2026 eine bundesweite Allianz gegen Einsamkeit gestartet. Baden-Württemberg hat angekündigt, sich mit seinem Landesbündnis daran zu beteiligen.

Weiterlesen: in Verbindung bleiben

Quellen, abgerufen am 2. November 2026: Ministerium für Soziales, Arbeit und Gesundheit Baden-Württemberg, Baden-Württemberg gründet Bündnis gegen Einsamkeit (1. November 2026) und Land wird Bündnis gegen Einsamkeit gründen (19. Juni 2026); Bertelsmann Stiftung, Einsamkeit und gesellschaftlicher Zusammenhalt: Baden-Württemberg 2025 (PDF) (Oktober 2025, Seite 25 bis 26 und 21); Sozialministerium, Ideenwettbewerb Einsamkeit, Vorstellung der Preisträger (PDF); tagesschau.de/SWR, Sozialministerium gründet Bündnis gegen Einsamkeit; BMBFSFJ, Allianz gegen Einsamkeit; Silbernetz, silbernetz.de; TelefonSeelsorge, telefonseelsorge.de.

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