Falsche Polizisten am Telefon: warum die 110 im Display Senioren nichts beweist
Die 110 im Display beweist nichts. Die Rufnummernanzeige zeigt, welche Nummer der Anrufer übermittelt, und diese Nummer lässt sich technisch vortäuschen, auch die 110 und auch die eigene Ortsvorwahl. Wer als Polizist anruft und über Geld, Schmuck oder ein Konto sprechen will, ist keiner: Die echte Polizei bittet laut Polizeilicher Kriminalprävention nie um Geld. In dieser Woche haben mehrere Polizeidienststellen wieder vor solchen Anrufen gewarnt. Hier steht, wie der Anruf abläuft, welcher Satz ihn beendet und was Senioren und Angehörige danach tun können. Was ich empfehle, stützt sich auf die Hinweise von Polizei und Bundesnetzagentur, die Quellen stehen am Ende. Im Zweifel gilt: auflegen und selbst die 110 wählen.

Die kurze Antwort: die Anzeige zeigt nur, was übermittelt wurde
Ein Telefon prüft nicht, wer anruft. Es zeigt die Nummer an, die mit dem Anruf mitgeschickt wird, und diese Nummer kann der Anrufer setzen. Die Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes beschreibt das als Call-ID-Spoofing: Bei einem Anruf erscheint auf der Telefonanzeige der Angerufenen eine vorgetäuschte Rufnummer, zum Beispiel aus dem Vorwahlbereich des Angerufenen. Wie das technisch geht, gehört nicht hierher. Was daraus folgt, schon: Die 110 im Display ist kein Beleg, die eigene Vorwahl auch nicht.
Umgekehrt gilt: Die 110 ist die Nummer, die Sie wählen, um die Polizei zu erreichen. Sie ist nicht die Nummer, unter der die Polizei Sie anruft. Laut Bundesnetzagentur gibt es keine Anrufe, bei denen die 110 rechtmäßig als Absendernummer angezeigt wird; erscheint sie doch, ist die Anzeige manipuliert. Steht sie im Display eines eingehenden Anrufs, ist das also schon Grund genug, aufzulegen.
Wie der Anruf abläuft: vier Stationen, ein Satz
Die Anrufe folgen oft einem Muster, das sich über die Jahre wenig ändert. Wer es einmal gesehen hat, erkennt es häufig schon nach dem zweiten Satz. Beschrieben wird hier nur so viel, wie man zum Wiedererkennen braucht.
Die Polizeiliche Kriminalprävention fasst die Geschichte so zusammen: Die Täter behaupten, dass Geld- und Wertgegenstände bei ihren Opfern zu Hause oder auf der Bank nicht mehr sicher seien oder auf Spuren untersucht werden müssten. Der Rest ist Druck: mit niemandem sprechen, auch nicht mit der Bank, alles sofort. Laut Polizei kommt es vor, dass Angerufene bis zur Übergabe in der Leitung gehalten werden. Aus meiner Sicht führt nicht Leichtgläubigkeit zur Übergabe, sondern Angst und Zeitdruck. Die Maschen sind gut gemacht, und sie treffen Menschen, die der Polizei ihr Leben lang vertraut haben, zu Recht.
Am Dienstag dieser Woche meldete eine Polizeiinspektion mehrere solcher Anrufe an einem Tag, mit erfundenen Unfällen und angeblich teuren Medikamenten als Geschichte. Alle Angerufenen legten auf, einige erst, nachdem sie ihre Angehörigen unter der bekannten Nummer erreicht hatten. Genau so soll es laufen.
Drei Regeln, die den Anruf beenden
- Auflegen, sobald es um Geld oder Wertsachen geht. Nicht diskutieren, nicht erklären, nicht warten, bis der Anrufer fertig ist. Die Polizei rät: Lassen Sie sich am Telefon nicht unter Druck setzen. Legen Sie einfach auf.
- Nichts über Vermögen sagen, auch nicht, dass es nichts gibt. Keine Angaben zu Konto, Bargeld, Schmuck oder Wertsachen, keine Angaben dazu, wer im Haus wohnt. Auch ein Nein ist eine Auskunft.
- Nie etwas übergeben oder vor die Tür legen. Weder an einen Kollegen in Zivil noch an einen Boten, nicht in den Briefkasten, nicht an einen Treffpunkt. Die Polizei verwahrt kein Geld und keinen Schmuck für Bürgerinnen und Bürger.
Ein Kennwort für die Familie. Die Polizei empfiehlt, innerhalb der Familie ein Kennwort zu vereinbaren, das am Telefon abgefragt wird, sobald es um Geld geht. Ich empfehle, es nicht per Nachricht zu verschicken und nicht am Telefon zu erklären.
Der Telefonbucheintrag. Täter suchen oft in Verzeichnissen nach Vornamen, die nach Alter klingen. Die Polizei rät, den Eintrag zu ändern, den Vornamen zu kürzen oder streichen zu lassen. In der Regel erledigt das der Anbieter auf Anfrage.
An der Haustür: Dienstausweis, geschlossene Tür, eigener Anruf
Manchmal endet der Anruf nicht am Telefon, sondern an der Tür: Jemand gibt sich als der angekündigte Kollege aus, mitunter mit gefälschtem Dienstausweis. Die Polizeiliche Kriminalprävention rät zu einer festen Reihenfolge: Dienstausweis verlangen, die Tür geschlossen lassen, beim geringsten Zweifel bei der Behörde anrufen, unter einer Nummer, die Sie selbst heraussuchen oder von der Auskunft bekommen. Der Besucher wartet währenddessen vor der abgesperrten Tür. Ich empfehle, Unbekannte nicht in die Wohnung zu lassen, gleich welchen Ausweis sie zeigen. Wer unsicher auf den Beinen ist, prüft vorher durch Türspion, Sprechanlage oder eine Funkklingel mit Anzeige im Wohnzimmer, wer davorsteht.
Danach: wen Sie selbst anrufen
Nach dem Auflegen kommt der Teil, der oft ausbleibt: der eigene Anruf. Nicht unter der Nummer, die der Anrufer genannt hat, und nicht mit der Rückruftaste, sondern unter Nummern, die Sie selbst kennen.
Wer schon etwas übergeben oder überwiesen hat, dem empfehle ich drei Schritte, in dieser Reihenfolge: Anzeige bei der Polizei, Bank informieren und Karten sperren, Unterlagen aufheben. Dazu ein vierter Punkt, den viele auslassen: sich Unterstützung holen, etwa beim kostenlosen Opfer-Telefon des Weißen Rings unter 116 006. Scham hält manche davon ab, einen solchen Fall anzuzeigen. Die Polizei rät trotzdem ausdrücklich, sich an sie zu wenden, wenn man Opfer geworden ist. Wer reagiert hat, hat auf eine Masche reagiert, die genau dafür gemacht ist.
Ein Helfer: ein Telefon, das den Rückruf leicht macht
Kein Telefon erkennt einen falschen Polizisten. Was ein Telefon leisten kann: die Nummern der Angehörigen auf großen Tasten, damit der Rückruf unter der bekannten Nummer in einer Sekunde gelingt. Mehr Modelle mit Erfahrungen aus den Bewertungen stehen auf der Seite Seniorentelefon schnurlos mit großen Tasten.
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Keine Rechtsberatung. Dieser Beitrag gibt die Hinweise der Polizeilichen Kriminalprävention und der Bundesnetzagentur wieder. Bei einem konkreten Fall entscheidet die Polizei vor Ort, was zu tun ist; wählen Sie im Zweifel die 110. Fragen zu Rückbuchungen und Haftung klären Bank, Verbraucherzentrale oder eine Anwaltskanzlei.
Fragen zu falschen Polizisten am Telefon
Kann die 110 wirklich als Anrufernummer erscheinen, obwohl nicht die Polizei anruft?
Als Anzeige ja. Laut Bundesnetzagentur ist sie dann in jedem Fall manipuliert. Die Polizeiliche Kriminalprävention beschreibt, dass Täter eine Technik nutzen, mit der auf dem Display eine vorgetäuschte Rufnummer erscheint, etwa aus dem eigenen Vorwahlbereich. Die Anzeige zeigt nur, was der Anrufer übermittelt, nicht, wer er ist.
Wie erkenne ich einen falschen Polizisten am Telefon?
An dem, was verlangt wird: Angaben zu Geld und Wertsachen, Bargeld abheben, etwas an einen Kollegen übergeben, mit niemandem sprechen. Die Polizei bittet nie um Geld und verwahrt keine Wertsachen. Sobald es um Vermögen geht: auflegen.
Was mache ich, wenn ich unsicher bin, ob der Anruf echt war?
Auflegen, dann die 110 selbst wählen oder die örtliche Dienststelle unter einer selbst herausgesuchten Nummer anrufen und den Anruf schildern. Nie die Nummer wählen, die der Anrufer genannt hat, und nicht die Rückruftaste benutzen.
Wie schütze ich meine Eltern, die allein wohnen?
Es kann helfen, den Ablauf einmal durchzusprechen, damit er wiedererkannt wird, und wie von der Polizei empfohlen ein Kennwort für Anrufe zu vereinbaren, in denen es um Geld geht. Die Polizei empfiehlt außerdem, den Vornamen im Telefonbuch zu kürzen, weil Täter nach alt klingenden Vornamen suchen.
Was ist, wenn jemand als Polizist an der Haustür steht?
Dienstausweis verlangen, die Tür geschlossen lassen und bei der Dienststelle unter einer selbst herausgesuchten Nummer nachfragen. Die Polizei rät, den Besucher währenddessen vor der abgesperrten Tür warten zu lassen. Unbekannte lassen Sie lieber nicht in die Wohnung.
Ich habe Geld oder Wertsachen übergeben. Was jetzt?
Sofort die 110 anrufen und Anzeige erstatten, die Bank informieren und Karten sperren lassen, alles aufheben, was mit dem Anruf zu tun hat. Beim Opfer-Telefon 116 006 des Weißen Rings gibt es kostenlose Unterstützung. Wer darauf hereingefallen ist, hat auf eine gut gemachte Masche reagiert, keinen dummen Fehler gemacht.
Kann ich meine Telefonnummer wechseln, wenn ich immer wieder solche Anrufe bekomme?
Ja. Die Polizeiliche Kriminalprävention weist darauf hin, dass der Rufnummernwechsel für Betroffene bei den Anbietern in der Regel kostenlos ist. Manipulierte Rufnummern lassen sich außerdem der Bundesnetzagentur melden.
Hilft ein Telefon mit Anrufschutz gegen diese Anrufe?
Teilweise. Ein Anrufschutz kann anonyme Anrufe oder gesperrte Nummern abweisen, aber keine vorgetäuschte 110. Aus meiner Sicht schützt das Wissen um den Ablauf mehr. Hilfreich sind große Tasten mit den Nummern der Angehörigen, damit der Rückruf unter der bekannten Nummer ohne Suchen gelingt.
Weiterlesen zu Telefon und Sicherheit zu Hause
Quellen, abgerufen am 24. September 2026: Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes, Betrug durch falsche Polizisten und Schockanrufe; Bundesnetzagentur, Manipulation von Rufnummern (110 als Absendernummer, Beschwerdeformular); Weißer Ring, Opfer-Telefon 116 006. Anlass: Polizeimeldungen auf presseportal.de vom 23. September 2026 und 24. September 2026.
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