Augen im Alter: die Checkliste für Senioren zur Woche des Sehens
Augen im Alter verändern sich auch ohne Krankheit: Die Nähe wird unscharf, Blendung stört mehr, Kontraste werden schwächer. Einen Termin in der Augenarztpraxis empfehle ich, wenn sich das Sehen rasch ändert, die Brille nicht mehr ausgleicht oder Linien verzerrt aussehen. Lichtblitze, ein Schwarm dunkler Punkte oder ein dunkler Vorhang gelten dagegen als Notfall. Vom 8. bis 15. Oktober ist die Woche des Sehens, ein guter Anlass für die folgende Checkliste.
Was hier steht, sind Empfehlungen aus der Pflege, gestützt auf die Quellen am Ende des Beitrags. Ob ein Auge gesund ist, kann nur die Augenarztpraxis beurteilen.

Was sich mit den Jahren normal verändert
Die Augenlinse färbt sich im Lauf der Jahrzehnte gelblich und trübt leicht ein. Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit beschreibt die Folgen: Es kommt weniger Licht auf der Netzhaut an, Farben wirken anders, Kontraste werden schwächer, helles Licht blendet schneller. Auch die Sehschärfe kann nachlassen. Bei 75-Jährigen gelten nach Angaben des Instituts 60 bis 100 Prozent als normal.
Dazu kommt die Alterssichtigkeit. Die Linse verliert ihre Elastizität und stellt sich nicht mehr so leicht auf die Nähe ein. Die meisten merken das nach Angaben des Instituts spätestens ab 50, wenn die Zeitung mit ausgestreckten Armen gelesen wird. Eine Lesebrille gleicht das in der Regel aus, ihre Stärke wird mit den Jahren nachgezogen. Ich empfehle, die Augen auch dann regelmäßig in der Praxis ansehen zu lassen, wenn nur eine Brille für die Nähe nötig scheint. Dort kann bei der Gelegenheit die Gesundheit der Augen mitgeprüft werden.
Drei Zeichen, die in die Augenarztpraxis gehören
Die Brille reicht nicht mehr, alles wirkt wie durch Milchglas. So beginnt oft der Graue Star, eine der häufigsten Augenkrankheiten im Alter. Die Linse trübt ein, Farben werden blasser, Kontraste schwächer. Behandelt wird er nach Angaben des Bundesinstituts mit einer Operation, die meist ambulant stattfindet.
Gerade Linien wirken verbogen, beim Lesen verschwimmen einzelne Wörter. Das kann auf eine Veränderung der Netzhautmitte hindeuten, der Stelle des schärfsten Sehens. Die altersabhängige Makuladegeneration ist nach Angaben des Bundesinstituts die häufigste Ursache für Sehbehinderungen im Alter. Der Berufsverband der Augenärzte rät, bei solchen Zeichen innerhalb weniger Tage einen Augenarzt aufzusuchen, und weist auf eine Tücke hin: Oft ist zuerst nur ein Auge betroffen, das andere gleicht aus.
Nichts merken, und trotzdem hingehen. Der Grüne Star, das Glaukom, verläuft zunächst ohne Schmerzen und ohne spürbare Einschränkung. Bemerkt wird er oft erst, wenn ein großer Teil des Sehnervs schon geschädigt ist, und dieser Verlust lässt sich nicht rückgängig machen. Die augenärztlichen Fachgesellschaften empfehlen deshalb ab 40 Jahren eine regelmäßige Früherkennung. Menschen mit Diabetes raten sie laut Bundesinstitut außerdem, die Netzhaut gleich nach der Diagnose und danach regelmäßig kontrollieren zu lassen.
Was aus der Pflege auffällt. Ein nachlassendes Auge zeigt sich oft nebenbei: Die Fernsehzeitung bleibt liegen, der Kaffee geht neben die Tasse, Stufen werden zögernder genommen. Solche Beobachtungen sind kein Befund, aber ein guter Grund, gemeinsam einen Termin auszumachen.
Notfall: Lichtblitze, dunkle Punkte, ein Vorhang
Nicht bis morgen warten. Lichtblitze, ein plötzlicher Schwarm dunkler Punkte, den Betroffene als Rußregen beschreiben, oder ein dunkler Vorhang, der sich vor das Blickfeld schiebt, können eine Netzhautablösung ankündigen. Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit nennt das ausdrücklich einen Notfall: sofort eine Augenarztpraxis oder die Notaufnahme einer Augenklinik aufsuchen. Außerhalb der Sprechzeiten ist der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116 117 erreichbar, bei Unsicherheit die 112.
Die Checkliste zur Woche des Sehens
Die Woche des Sehens tragen unter anderem der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband und die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft. Die Liste gilt das ganze Jahr.
- Wann war der letzte Termin? Steht das Jahr nicht mehr fest, lohnt sich ein neuer. Auch wenn nur die Lesebrille ab und zu nachgestellt wird.
- Beobachtungen aufschreiben. Was fällt auf, seit wann, ein Auge oder beide? Im Sprechzimmer fällt vieles erst hinterher ein.
- Ein Auge nach dem anderen prüfen. Beim Lesen der Zeitung einmal das eine, dann das andere Auge mit der Hand abdecken. Fällt ein Unterschied auf, gehört er auf den Zettel. Das ersetzt keine Untersuchung.
- Alle Brillen und Tropfen mitnehmen. Lesebrille, Fernbrille, Sonnenbrille, dazu die Augentropfen und den Medikationsplan.
- Nach der Pupillenerweiterung fragen. Werden die Pupillen weitgestellt, sieht man danach eine Weile unscharf und ist lichtempfindlich. Am Straßenverkehr teilnehmen kann man laut gesundheitsinformation.de erst nach ein paar Stunden. Ich empfehle, Begleitung oder ein Taxi einzuplanen.
Für Angehörige: helfen, ohne zu bevormunden
Um Hilfe zu bitten, fällt vielen schwer, gerade beim Sehen. Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit beschreibt, wie Betroffene das Gefühl bekommen, abhängig zu sein und nichts zurückgeben zu können, während das Umfeld gern helfen würde, aber auf ein Zeichen wartet. Ein paar Gewohnheiten können beiden Seiten den Alltag erleichtern:
Erst fragen, dann helfen. Und eine Ablehnung stehen lassen. Wer vieles noch allein kann, möchte das behalten.
Mit Worten zeigen, nicht mit dem Finger. Ein Fingerzeig nach „da hinten“ hilft wenig. „Die erste Tür rechts“ oder „ein Meter hinter Ihnen steht ein Stuhl“ nennt das Bundesinstitut dagegen eine große Hilfe.
Kleinigkeiten in der Wohnung können ebenfalls helfen, etwa ein Nachtlicht mit Bewegungsmelder für den Weg zum Bad oder ein Vergrößerungsspiegel für das Rasieren und Schminken.
Zwei Helfer: für Augentropfen und fürs Kleingedruckte
Wer einen Grünen Star hat, tropft oft mehrmals am Tag. Das gelingt nur, wenn der Tropfen auch im Auge landet. Und wer trotz passender Brille beim Beipackzettel an Grenzen kommt, greift zur Lupe. Mehr Modelle stehen auf den Seiten Eintropfhilfe für Augentropfen und Leselupe mit Licht.
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Keine ärztliche Beratung. Dieser Beitrag gibt allgemeine Hinweise des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit und des Berufsverbands der Augenärzte wieder. Er ersetzt keine Untersuchung und keine Beratung in der Augenarztpraxis.
Fragen zu den Augen im Alter
Welche Veränderungen der Augen sind im Alter normal?
Die Augenlinse färbt sich mit den Jahrzehnten gelblich und trübt leicht ein. Dadurch sieht man Kontraste schlechter, fühlt sich bei starkem Licht geblendet und braucht für die Nähe eine Lesebrille. Nach Angaben des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit gelten bei 75-Jährigen 60 bis 100 Prozent Sehschärfe als normal.
Wann sollten Senioren zum Augenarzt?
Ich empfehle regelmäßige Termine, auch wenn nur eine Lesebrille gebraucht wird, weil die Praxis dabei die Gesundheit der Augen mitprüfen kann. Bald einen Termin auszumachen ist ratsam, wenn die Brille nicht mehr reicht, alles wie durch Milchglas wirkt oder gerade Linien verbogen erscheinen. Der Berufsverband der Augenärzte nennt für verzerrtes Sehen einen Zeitraum von wenigen Tagen.
Was ist ein augenärztlicher Notfall?
Lichtblitze, ein plötzlicher Schwarm dunkler Punkte oder ein dunkler Vorhang, der sich vor das Blickfeld schiebt, können auf eine Netzhautablösung hinweisen. Dann sofort eine Augenarztpraxis oder die Notaufnahme einer Augenklinik aufsuchen.
Wird die Früherkennung des Grünen Stars von der Krankenkasse bezahlt?
In der Regel nicht. Die Untersuchung ist eine individuelle Gesundheitsleistung, die man selbst bezahlt. Die Kasse übernimmt sie, wenn ein konkreter Verdacht besteht oder ein erhöhter Augeninnendruck bekannt ist.
Warum merkt man einen Grünen Star oft nicht?
Weil das chronische Glaukom weder Schmerzen noch andere Beschwerden macht. Eine Sehbeeinträchtigung fällt erst auf, wenn ein großer Teil der Sehnervenzellen schon zerstört ist. Verlorenes Sehvermögen kommt nicht zurück, deshalb zählt die rechtzeitige Untersuchung.
Was bedeutet es, wenn beim Lesen einzelne Wörter verschwimmen?
Es kann ein Hinweis auf eine Veränderung der Netzhautmitte sein, etwa eine altersabhängige Makuladegeneration. Das Bundesinstitut rät, dann umgehend eine Augenarztpraxis aufzusuchen. Eine Diagnose kann nur die Praxis stellen.
Ersetzt eine Leselupe den Besuch beim Augenarzt?
Nein. Eine Lupe vergrößert, sie erkennt und behandelt nichts. Sie kann sinnvoll sein, wenn die Praxis die Augen untersucht hat und Kleingedrucktes trotz passender Brille mühsam bleibt.
Wie können Angehörige helfen, wenn die Augen nachlassen?
Erst fragen, ob Hilfe gewünscht ist, und eine Ablehnung akzeptieren. Wege genau beschreiben, etwa „die erste Tür rechts“, statt zu zeigen, und beim Führen den Arm anbieten. Zum Termin begleiten, wenn die Pupillen erweitert werden, weil man danach einige Stunden nicht selbst fahren sollte.
Weiterlesen: Sehen und Lesen im Alltag
Quellen, abgerufen am 25. September 2026: Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit, Informationen zu Augenerkrankungen; Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit, Seheinschränkungen im Alter: Tipps für Betroffene und Angehörige; Berufsverband der Augenärzte Deutschlands, Patienteninformation altersabhängige Makuladegeneration; Woche des Sehens, Über uns; IQWiG, gesundheitsinformation.de, Welche Augenuntersuchungen gibt es?; Kassenärztliche Bundesvereinigung, 116117.de, ärztlicher Bereitschaftsdienst.
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