Gesundheit & Vorsorge

Ungewollt abgenommen: Mangelernährung bei Senioren früh erkennen

Wenn ein älterer Mensch abnimmt, ohne es zu wollen, nennt die Verbraucherzentrale NRW das ein Warnsignal, und ich empfehle dann ein Gespräch in der Hausarztpraxis. Eine Mangelernährung wird leicht als Altersschwäche abgetan. Mögliche Zeichen sind lockerer sitzende Kleidung, halb volle Teller, Müdigkeit und Schwäche. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährungsmedizin nennt für Menschen ab 65 unter anderem einen ungewollten Verlust von mehr als fünf Prozent in drei Monaten als Merkmal. Zum Welternährungstag am 16. Oktober: woran Angehörige es merken können, warum es passiert und was im Alltag helfen kann.

Eine Mangelernährung feststellen kann nur die Arztpraxis. Was hier steht, sind Beobachtungshilfen und Empfehlungen aus der Pflege, gestützt auf Verbraucherzentrale NRW, Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit und Deutsche Gesellschaft für Ernährung; die Belege stehen am Ende.

Seniorin isst am Kuechentisch und telefoniert dabei lachend
Essen schmeckt oft besser in Gesellschaft, und sei es am Telefon. Wer regelmäßig mitbekommt, wie die Mahlzeiten laufen, merkt Veränderungen früh.

Die Zeichen: nicht Altersschwäche, sondern ein Hinweis

Die Verbraucherzentrale NRW beschreibt ein Muster, das in der Pflege gut bekannt ist: Viele Ältere essen und trinken zu wenig oder einseitig, verlieren Gewicht und Muskeln, lassen in der Kraft nach, und dann heißt es „das ist das Alter“. Genau dadurch bleibt eine Mangelernährung oft unerkannt. Die Folgen können ernst sein: Nach Angaben der Verbraucherzentrale steigt durch den Muskelabbau die Sturzgefahr, und das Infektionsrisiko nimmt zu, weil die Abwehrkräfte nachlassen.

Woran Angehörige eine Mangelernährung bemerken können Sechs Punkte untereinander: Die Kleidung sitzt lockerer. Die Wangen wirken eingefallen, Knochen treten hervor. Essen und Getränke werden abgelehnt oder bleiben stehen. Müdigkeit, Antriebslosigkeit, Schwäche. Trockene Haut und Schleimhäute. Das Gewicht sinkt, ohne dass jemand abnehmen wollte. Was auffallen kann Die Kleidung sitzt lockerer. Wangen eingefallen, Knochen treten hervor. Teller und Glas bleiben halb voll. Müde, antriebslos, schwach. Trockene Haut und Lippen. Gewicht sinkt, ungewollt.
Die Zeichen nennt die Verbraucherzentrale NRW. Sie werden oft als Altersschwäche abgetan, deshalb bleibt eine Mangelernährung leicht unerkannt.

Was aus der Pflege auffällt. Den Gewichtsverlust bemerkt man oft zuerst an der Kleidung: der Gürtel, der ein Loch enger geschnallt wird, der Ehering, der rutscht, die Hose, die plötzlich Falten wirft. Wer die Eltern regelmäßig sieht, kann auf solche Kleinigkeiten achten, ohne daraus ein Verhör zu machen.

Die Fünf-Prozent-Regel

Wie viel Abnahme ist zu viel? Die Deutsche Gesellschaft für Ernährungsmedizin nennt für Menschen ab 65 zwei Merkmale einer Mangelernährung: einen Body-Mass-Index unter 20 und einen ungewollten Gewichtsverlust von mehr als fünf Prozent in drei Monaten. Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit ergänzt, dass Menschen ab 65 schon ab einem BMI unter 24 als gefährdet gelten. Für den Alltag ist die Prozentzahl greifbarer als der BMI:

Die Fünf-Prozent-Regel an einem Beispiel Ein Rechenbeispiel. Vor drei Monaten wog jemand 70 Kilogramm. Fünf Prozent davon sind 3,5 Kilogramm. Wiegt die Person heute weniger als 66,5 Kilogramm, ohne abnehmen zu wollen, liegt der Verlust über der Fünf-Prozent-Schwelle aus der Definition der Deutschen Gesellschaft für Ernährungsmedizin. Empfohlen ist dann ein Gespräch in der Hausarztpraxis. Ein Beispiel Vor drei Monaten 70 kg Fünf Prozent davon 3,5 kg Warnsignal unter 66,5 kg Gilt für ungewollten Verlust innerhalb von drei Monaten. Empfohlen: Hausarztpraxis.
Die Schwelle von fünf Prozent in drei Monaten ist eines von zwei Merkmalen in der Definition der Deutschen Gesellschaft für Ernährungsmedizin, das andere ist ein BMI unter 20; so gibt es die Verbraucherzentrale NRW wieder. Die Rechnung ersetzt keine ärztliche Einschätzung.

Rechner: Wie viel Prozent sind es?

Gewicht von vor etwa drei Monaten und das heutige Gewicht eintragen. Der Rechner zeigt, wie viel Prozent das sind. Er ersetzt keine ärztliche Einschätzung, er hilft nur beim Einordnen.

Hier erscheint das Ergebnis, sobald beide Gewichte eingetragen sind.

Wichtig ist das Wort ungewollt. Wer bewusst abnimmt, etwa auf ärztlichen Rat, ist nicht gemeint. Auch bei einer kleineren Abnahme empfehle ich den Weg in die Praxis, wenn weitere Zeichen dazukommen.

Die Ursachen: warum der Teller voll bleibt

Häufige Gründe, warum im Alter zu wenig gegessen wird Fünf Kästen untereinander. Kauen und Schlucken: Zähne, Prothese, Schluckbeschwerden. Sinne: Geschmack und Geruch lassen nach. Medikamente: manche dämpfen den Appetit oder verursachen Übelkeit. Seele: Einsamkeit, Depression, Demenz. Alltag: Einkaufen und Kochen werden mühsam. Warum wenig gegessen wird Kauen und Schlucken Zähne, Prothese, Schlucken. Geschmack und Geruch Lassen mit den Jahren nach. Medikamente Manche dämpfen den Appetit. Einsamkeit und Stimmung Allein fehlt oft die Lust. Einkaufen und Kochen Werden mühsam.
Die Gründe nennen die Verbraucherzentrale NRW und das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit. Oft kommen mehrere zusammen.

Die Verbraucherzentrale NRW nennt körperliche Gründe wie nachlassende Sinne, Kau- und Schluckstörungen und Übelkeit durch Medikamente, dazu seelische wie Einsamkeit, Depression und Demenz. Das Bundesinstitut ergänzt Krankheiten, Operationen und Lebenskrisen. In der Pflege zeigt sich oft ein ganz praktischer Grund: Eine Prothese, die drückt, oder ein Einkauf, der zu schwer geworden ist. Wie eine Prothese gut sitzt und sauber bleibt, steht in unserem Beitrag zur Prothesenpflege.

Im Alltag: was das Essen leichter macht

Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit gibt für Menschen mit Untergewicht einfache Hinweise, die auch Angehörige umsetzen können:

  • Öfter kleine Mahlzeiten. Fünf bis sechs Mahlzeiten über den Tag können helfen, das Gewicht zu halten.
  • Nährstoffreich statt nur kalorienreich. Gemüse, Obst, Milchprodukte, Eier, Fisch, gute Öle. Schokolade hat Kalorien, aber wenig Nährstoffe.
  • In Gesellschaft essen. Ein gedeckter Tisch und ein Gegenüber können Appetit machen. Allein isst es sich oft schlechter.
  • Vertraute Gerichte kochen. Der Duft von Lieblingsspeisen und Gerichten aus der Kindheit kann Appetit wecken.
  • Medikamente ansprechen. Manche dämpfen den Appetit oder schlagen auf den Magen. Die Praxis kann prüfen, ob es Alternativen gibt.

In der Praxis: was man mitbringt

Die Verbraucherzentrale NRW rät Angehörigen, einige Tage lang aufzuschreiben, wie viel gegessen und getrunken wurde, und dann mit der Hausarztpraxis zu sprechen. In der ambulanten Pflege gibt es dafür Fragebögen, sogenannte Screenings. Ich empfehle, außerdem die Gewichtsnotizen der letzten Wochen, den Medikationsplan und einen Hinweis auf Zahn- oder Prothesenprobleme mitzunehmen. Ob zusätzliche Trinknahrung oder angereicherte Speisen nötig sind, gehört in die ärztliche Entscheidung, nicht in den Einkaufswagen.

Keine ärztliche Beratung. Dieser Beitrag gibt Hinweise der Verbraucherzentrale NRW, der Deutschen Gesellschaft für Ernährungsmedizin und des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit wieder. Bei ungewolltem Gewichtsverlust empfehle ich in jedem Fall die Hausarztpraxis, auch weil Krankheiten dahinterstecken können. Von Nahrungsergänzungsmitteln auf eigene Faust rate ich ab.

Zwei Helfer: eine Waage mit großer Anzeige und ein Teller, der warm hält

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Fragen zur Mangelernährung im Alter

Woran erkennt man eine Mangelernährung bei Senioren?

Mögliche Zeichen sind nach der Verbraucherzentrale NRW lockerer sitzende Kleidung, eingefallene Wangen, hervortretende Knochen, trockene Haut, Müdigkeit und Schwäche, und dass Essen und Getränke abgelehnt werden. Ein deutliches Warnsignal ist ungewollter Gewichtsverlust. Die Verbraucherzentrale NRW weist darauf hin, dass solche Zeichen oft als Altersschwäche missverstanden werden. Feststellen kann eine Mangelernährung nur die Arztpraxis.

Ab wann ist Gewichtsverlust im Alter bedenklich?

Nach der Definition der Deutschen Gesellschaft für Ernährungsmedizin, die die Verbraucherzentrale NRW zitiert, liegt bei Menschen ab 65 eine Mangelernährung vor, wenn der Body-Mass-Index unter 20 liegt und ein ungewollter Gewichtsverlust von mehr als fünf Prozent in drei Monaten besteht. Ich empfehle aber, jeden ungewollten Gewichtsverlust in der Hausarztpraxis anzusprechen.

Welcher BMI ist für ältere Menschen zu niedrig?

Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit nennt für Menschen ab 65 einen BMI unter 20 als Untergewicht oder Mangelernährung und weist darauf hin, dass schon ab einem BMI unter 24 ein Risiko für Mangelernährung besteht. Der BMI ist eine grobe Orientierung, die Praxis beurteilt den Einzelfall.

Kann man auch mit normalem Gewicht mangelernährt sein?

Ja, das ist möglich. Die Verbraucherzentrale NRW beschreibt die qualitative Mangelernährung: Es fehlen Nährstoffe wie Eiweiß oder Vitamine, obwohl genug Energie aufgenommen wird. Auch normal- oder übergewichtige Menschen können betroffen sein.

Was kann ich tun, wenn meine Mutter kaum noch isst?

Die Verbraucherzentrale NRW rät, aufzuschreiben, was sie über einige Tage isst und trinkt, und mit der Hausarztpraxis zu sprechen. Im Alltag können kleinere Mahlzeiten über den Tag verteilt, vertraute Gerichte, ein schön gedeckter Tisch und Gesellschaft beim Essen helfen. Medikamente, die den Appetit dämpfen, würde ich in der Praxis ansprechen.

Soll ich Nahrungsergänzungsmittel oder Trinknahrung kaufen?

Davon rate ich ab, solange die Ursache nicht geklärt ist. Ob zusätzliche Energie oder Trinknahrung sinnvoll ist, entscheidet die Arztpraxis nach der Ursache. Häufig stecken auch andere Gründe dahinter, etwa Zähne, Medikamente oder Einsamkeit.

Wie oft sollten ältere Menschen sich wiegen?

Eine feste Regel gibt es nicht. Wer gefährdet ist, wiegt sich zum Beispiel einmal pro Woche, zur gleichen Tageszeit, auf derselben Waage und notiert das Ergebnis. So kann ein Trend auffallen, bevor die Kleidung weiter wird.

Warum ist ungewollter Gewichtsverlust im Alter gefährlich?

Weil mit dem Fett auch Muskeln abgebaut werden. Das Bundesinstitut und die Verbraucherzentrale nennen als Folgen ein höheres Sturzrisiko und ein höheres Infektionsrisiko, weil die Abwehrkräfte nachlassen.

Weiterlesen: Essen und Trinken im Alltag

Quellen, abgerufen am 25. September 2026: Verbraucherzentrale NRW, Mangelernährung, frühzeitig erkennen und handeln; Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit, Ernährung bei Untergewicht; Deutsche Gesellschaft für Ernährung, Fit im Alter, Essen und Trinken bei Mangelernährung im Alter (PDF).

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